Unternehmenssoftware wird von Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Geräten und Arbeitsbedingungen genutzt. Barrierefreiheit nach den Web Content Accessibility Guidelines ist deshalb eine Qualitätsanforderung an den gesamten Nutzungsprozess, nicht nur an einzelne Farben oder Texte.
WCAG als Arbeitsgrundlage nutzen
Die WCAG ordnen Anforderungen den Prinzipien wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust zu. Für ein Projekt werden daraus konkrete Akzeptanzkriterien für Navigation, Formulare, Fehlermeldungen, Medien und dynamische Inhalte abgeleitet.
Eine frühe Prüfung der Zielgruppe und der wichtigsten Geschäftsprozesse verhindert, dass nur die Startseite betrachtet wird. Barrieren in Anmeldung, Suche oder Abschluss eines Vorgangs haben oft die größte praktische Wirkung.
Tastatur und assistive Technologien berücksichtigen
Alle Funktionen müssen ohne Maus erreichbar und in sinnvoller Reihenfolge bedienbar sein. Fokuszustände, Dialoge, Tabellen und komplexe Komponenten benötigen eine klare Interaktion, damit Nutzer den aktuellen Zustand nachvollziehen können.
Semantisches HTML und korrekt eingesetzte ARIA-Attribute unterstützen Screenreader und andere Hilfsmittel. ARIA sollte fehlende Semantik nicht verdecken, sondern gezielt und getestet eingesetzt werden.
Inhalte und Formulare verständlich gestalten
Gute Kontraste, skalierbare Schrift, aussagekräftige Überschriften und verständliche Linktexte helfen vielen Nutzergruppen. Informationen dürfen nicht ausschließlich über Farbe, Position oder ein Symbol vermittelt werden.
Formulare benötigen beschriftete Felder, klare Pflichtangaben, hilfreiche Fehlermeldungen und eine Möglichkeit zur Korrektur. Gerade komplexe Geschäftsformulare sollten mit realen Abläufen und unterschiedlichen Eingabemethoden geprüft werden.
Barrierefreiheit dauerhaft testen
Automatisierte Prüfungen finden wiederkehrende technische Probleme, ersetzen aber keine manuelle Tastaturprüfung und keinen Test mit assistiven Technologien. Zusätzlich sollten betroffene Nutzer in die Bewertung zentraler Arbeitsabläufe einbezogen werden.
Barrierefreiheit gehört in Designsystem, Code-Review, Regressionstests und Abnahme. Eine dokumentierte Erklärung von bekannten Einschränkungen und geplanten Verbesserungen macht Fortschritt nachvollziehbar.
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